Sexualaufklärung in Europa und Zentralasien


Der Ansatz der ganzheitlichen Sexualaufklärung (CSE) ist von entscheidender Bedeutung bei der Förderung der allgemeinen Entwicklung von Kinder und Jugendlichen sowie bei der Entwicklung ihres Sexualverhaltens. Dieser Ansatz ermöglicht es ihnen, ihr Wissen über sexuelle und reproduktive Gesundheit und Rechte aufzubauen und zu erweitern und unterstützt sie bei der Ausbildung ihrer Kompetenzen in den Bereichen Entscheidungsfähigkeit, Kommunikation und Risikominderung. Darüber hinaus ermöglicht CSE ihnen die Ausbildung einer positiven sowie verantwortungsvollen Einstellung gegenüber Sexualität und Beziehungen.

Die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) und das International Planned Parenthood Federation European Network (IPPF EN) haben gemeinsam eine Analyse der Bestandslage von Sexualaufklärung in 25 Ländern der europäischen WHO-Region erstellt und veröffentlicht.

Diese Analyse zeigt, dass sich Qualität sowie Grad und Stand der Umsetzung von Sexualaufklärung in der europäischen WHO-Region, zu der europäische und zentralasiatische Länder zählen, stark unterscheiden. Es wird jedoch auch deutlich, dass ein Großteil der Länder in Schulen wesentliche Bausteine des Themas Sexualaufklärung vermitteln. innerhalb der gesamten Region, aber auch in einzelnen Ländern, zeigen sich Unterschiede insbesondere bei der Entwicklung, Umsetzung und Überprüfung von Lehrplänen und von Evaluationsprozessen.



Basierend auf dieser Analyse entstanden die folgenden Publikationen:

  1. Ein umfassender Bericht mit den wichtigsten Erkenntnissen, Schlussfolgerungen und Empfehlungen
  2. Eine Kurzfassung dieses Berichts
  3. Factsheets zu den einzelnen befragten Ländern (insgesamt 25 Länder) sowie
  4. mehrere in unterschiedlichen Fachzeitschriften veröffentlichte wissenschaftliche Artikel

Wichtige Erkenntnisse aus der Analyse sind unter anderem:

  • In der Mehrzahl der befragten Länder (21 von 25) existieren Rechtsgrundlagen für die Vermittlung von Sexualaufklärung an Schulen: 18 Länder haben ein entsprechendes Gesetz erlassen, zwei Länder haben politische Maßnahmen verabschiedet und ein Land verfügt über eine Strategie.
  • In weniger als der Hälfte der befragten Länder (11 von 25) ist die Vermittlung von Sexualaufklärung verpflichtend. In den übrigen Ländern erfolgt die Vermittlung entweder fakultativ oder lediglich in einzelnen Regionen bzw. in bestimmten Schulen.
  • In den meisten Ländern ist Sexualaufklärung Bestandteil anderer Unterrichtsfächer, wie zum Beispiel Biologie, Religion, Gesundheitserziehung oder Sozialwissenschaften. Manchmal wird das Thema auch außerhalb des regulären Stundenplans bei einem Workshop oder Beratungsservice angeboten.
  • Die Aus- und Fortbildung von Sexualaufklärung vermittelndem Lehrpersonal stellt in vielen Ländern eine große Herausforderung dar. In nur wenigen Ländern (darunter Estland und Finnland) wurden Kompetenzen, Fähigkeiten und Kenntnisse des Lehrpersonals ausgebaut, da Hochschulen die Vermittlung von Sexualaufklärung in das Curriculum für die Ausbildung von Lehrpersonal aufgenommen haben.